Blankenstein. Allein das neue „Dienstfahrzeug“ von Mobilkranführer Mario Weigelt kostet 1,3 Millionen Euro. Insgesamt hat die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal (ZPR) zirka 8,5 Millionen Euro in das Projekt der Rundholzannahme per Bahn investiert. Nach einem mehrjährigen Prozess, der 2013 mit der Idee entstand, diese zweite Rundholzannahme in der Nähe der Hackerei zu errichten, erfolgte am Freitag die offizielle Inbetriebnahme durch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).
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In die neue Rundholzannahme hat die ZPR insgesamt 8,5 Millionen Euro investiert. Zehn Waggons finden hier zeitgleich Platz. Foto: Peter Hagen
„Eigentlich ist heute Nossol-Tag“, bedauert Ramelow, dass der ZPR-Geschäftsführer Leonhard Nossol aus gesundheitlichen nicht persönlich anwesend sein konnte. Der Ministerpräsident wünscht ihm eine baldige Genesung. Mit der neuen Rundholzannahme sei in Blankenstein nach dem Opel-Standort Eisenach die zweithöchste Investitionsquote in ganz Thüringen verbaut worden, verdeutlicht Ramelow die Dimension und bezeichnet die ZPR als einen „wichtigen Motor in der Region“. Trotz 83 Hektar bebautes Industriegelände im Grünen Herz von Deutschland habe man nicht das Gefühl, im Ruhrgebiet zu sein. Die ZPR, deren negativen Auswirkungen auf die Umwelt vor Jahrzehnten saaleabwärts lange zu verfolgen gewesen seien, gehöre heute zu den „umweltpolitisch extrem sauberen Standorten“. In diesem Zusammenhang hebt Ramelow hervor, dass sich hier auch das größte Biomassekraftwerk Thüringen befinde. „Die größte Menge an Biostrom im Freistaat entsteht in Blankenstein“, freut sich Ramelow über diese Art der praktizierten Energiewende, „CO2 neutraler Strom kommt von hier.“
Wie bedeutsam es für den Blankensteiner Zellstoffproduzenten ist, möglichst viel Güterverkehr auf die Schiene zu verlegen, macht Werksleiter Christian Sörgel deutlich. Waren es im Jahr 2000 noch 150 000 Tonnen, die mit der Bahn transportiert worden sind, so seien es inzwischen 350 000 Tonnen jährlich. „Beim Holztransport sind wir aber fast ausschließlich auf Lastwagen angewiesen“, sagt er. In den 1980er Jahren war der Rundholzplatz, der schienenmäßig nicht erschlossen ist, auf der anderen Saale-Seite errichtet worden. Für den Standort gab es aufgrund der Umgebung des Werkes seinerzeit keine Alternative. Mit einer 300 Meter langen Förderbrücke rollen seither die Stämme über die Saale zur Verarbeitung. Mit der jetzt in Betrieb genommenen zweiten Rundholzannahme per Bahn, zu der eine eigene Bandfördereinrichtung gehört, können 200 000 Tonnen Rundholz jährlich auf dem Schienenweg angeliefert werden. Das erspart zirka 8000 Lkw-Fahrten. „Das ist ein klares Bekenntnis zu unserem Ziel der Verlagerung von mehr Gütertransporten aufs Gleis“, sagt Sörgel.
Vorerst sollen zehn Waggons täglich die Anlage ansteuern, die allerdings für die doppelte Leistung ausgelegt ist. Um das Potenzial voll ausschöpfen zu können, sei der Erhalt und Ausbau der bestehenden Bahnstrecke nach Saalfeld wichtig.
Betriebs-Notizen
Die Gründung der ZPR Blankenstein reicht ins Jahr 1882 zurück.
Das Hauptprodukt Zellstoff dient als Grundmaterial bei der Produktion von Papier für Schreib- und Druckzwecke, Verpackungen und Hygienepapieren.
Die nordamerikanische Mercer International übernahm den Betrieb 1994 von der Treuhand.
Ende der 1990er Jahre investierte Mercer rund 650 Millionen D-Mark.
Die ZPR hat derzeit 450 Mitarbeiter.